Elementare KünstlerInnen

  element_Linie  Anna Grunemann, Berlin
 

Anna Grunemann ist schwer einzuordnen. Mal arbeitet sie an Interventionen, dann wieder an Performances oder Installationen. Die Materialien sind so inhomogen wie die Fragestellungen, die ihre Arbeiten ablesbar verfolgen. Anna Grunemann scheint sich für alles gleichermaßen zu interessieren. Dabei spürt sie den gesellschaftlichen Wahrnehmungsmustern nach und macht Risse im Gefüge des Alltäglichen sichtbar.

Der Mensch in seiner Verortung ist dabei immer Ausgangspunkt ihrer Überlegungen. Sie fragt nach den Aneignungsstrategien des Alltags und hinterfragt seine Motive für das Handeln wie Nichthandeln gleichermaßen. Dabei verwendet die Künstlerin jedwede Technik, die der Veranschaulichung dient. Sie fragt nach unserem Sein in der Welt, hält uns den Spiegel vor oder implantiert absurd komische Utopien in die Welt und zeigt, wie leicht wir dem Trugbild des äußeren Scheins erliegen.

In Völksen ruft sie einen Vogelpark aus und initiiert damit augenzwinkernd gleich eine ganze Parallelgesellschaft. Eine Welt, die klar von Menschen und ihren implizierten Bedürfnissen bestimmt ist und sich an jene richtet, die für derlei Zerstreuung und Schnickschnack wohl kaum etwas übrig haben dürften. Und doch ist der Mensch das Alphatier – und was für ihn gut und wünschenswert ist kann doch für andere Spezies nicht schlecht sein.

Solche Wahrnehmungsverschiebungen sind in der Kunst von Anna Grunemann immer wieder zu beobachten. Sie tauscht die Rollen aus und macht damit den Blick frei für das Wesentliche und zuweilen auch für die Schieflage der Gesellschaft.

Einen poetischen Erzählraum öffnet ihre raumgreifende Intervention mit 24 Hawaiischirmen im öffentlichen Raum von Island 2010.

Zu jeder vollen Stunde regnet es im Umkreis der Städtischen Galerie Kubus in Hannover und ein flüchtiges Bild entsteht auf dem Straßenpflaster. Der Beitrag Grunemanns zum Ausstellungsprojekt "Mind The Park" 2009 ist die Illusion "Hängende Gärten", für die die Künstlerin hoch oben auf dem Gebäudedach einen Kreisregner installiert - für die Besucher gänzlich unsichtbar, im Ausstellungsraum jedoch hörbar.

Die Arbeit "Winterhaus für eine Mühle - Vorübergehende Dauerausstellung" von 2011 ist eine Art Trojanisches Pferd. Man weiß nicht genau, ob und was sie verbirgt. Wertvolle Skulpturen werden im Winter eingehaust. Ist diese Mühle, so sie denn im Innern existiert, eine schützenswerte Skulptur?

Die 4,20 m hohe Raumzeichnung aus Carbon "Living Earth" in Schimabara/JAP 2012 nimmt die Silhouette des nahegelegenen Vulkans Unzen auf.

Als „Talking Labels“, ein Vermittlungsformat des Kunstvereins Hannover, dessen Dependence Anna Grunemann und Christiane Oppermann in Japan ausriefen, demonstrieren die Performerinnen mit „visitors professionalization“ in 3 Sprachen vor der imposanten Kulisse des Supervulkans ASO zunächst mit den Händen, dann Arme, Beine und schließlich den gesamten Körper nutzend, die Möglichkeiten der Formatwahl.

Kurz


www.anna-grunemann.de


VITA:
geboren 1969 in Beeskow, 1987-1991
Studium Mathematik, Kunsterziehung, Erfurt; 1991-1999 Kunststudium, FH Hannover; 1992 Erasmusstipendium, Arnheim/NL; 2000 Meisterschülerin bei Ulrich Baehr; seit 2002 Projektleitungen von Ausstellungen im öffentlichen Raum: lebt und arbeitet in Hannover

Ausstellungen/Preise:
2000 1. Preis Wettbewerb Sonnengarten Hannover; 1. Preis AGRI EXPO Cultura; 2001-2002 Stipendium im Künstlerhaus Meinersen; 2010 Stipendium des Northwest-Iceland- Culture–Commitee; 2010 Jahresstipendium Land Nieder- sachsen; 2011 Reisekostenförderung Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

2004 „Hafensafari 2“ , Hamburg Hafencity; 2005 mobile Sende- und Empfangsanlage, High Shanghai, Shanghai; 2006 Seiten- wechsel, Kunst im öffentlichen Raum, Hannover; 2008 white balance (zus. mit An Seebach), kik-kunst in kontakt, Hannover; 2009 Mind The Park (zus. mit Chr. Oppermann, A. v.Lüdinghausen, M. Schild u. A. Seebach) Projekt in Rahmen der Gartenregion 2009, Städt. Galerie Kubus + FB Umwelt und Stadtgrün, Hannover; 2010 Marianne im Spiel, Kunst im öffentlichen Raum, Mariannenpark Leipzig; Artoll, Bedburg-Hau; 2011 Genesis II, Festival, Takamori, Minami ASO, Japan; 2012 „Geo Genesis – Space Lab Dok“, Shimabara anlässlich zur UNESCO Geo Konferenz, Japan

FACHGEBIET:
Kunst im öffentlichen Raum, Video, Fotografie, Performance, Rauminstallationen, Zeichnung

Projektidee:
Kultivierung – Rollrasenintarsie in Linienform; partizipatorische Konzeption für und mit Völksner Volk; Wieder- aufführung der „Grünen Messe“ (Bild-Klang-Collage nach The Primrose von B. Britten, Erstaufführung 2009)

Zuordnung: Element Linie