Elementare KünstlerInnen

  element_Linie  An Seebach, Berlin
 

(Künstlerkuratorin von Elementare Behelfe)

"Ich betrachte meine künstlerische Arbeit gerne wie ein Spiel:
Es gibt Spielregeln, Spielhandlungen, Spielzeug und Spielplätze; Spielraum und Spielzeit;
Spielart, Spielkameraden und Spielverderber.
Spielen bedeutet nicht, etwas ohne den nötigen Ernst, wohl aber es ohne Anstrengung und spielfroh zu tun."
artist statement, 1999

An Seebach verfolgt seit 1992 ihre künstlerischen Strategie der "ortsanalogen Handlung", eine besonders behutsame Annäherung an den jeweiligen Ausstellungsort - meist kein Kunstraum, sondern ein alltäglicher Ort. Durch ihre Intervention wird er für den Betrachter strukturell lesbar und in seiner narrativen Dimension aufgeschlossen.

Eine Auswahl bisher realisierte Arbeiten zeigt die verschiedenartigen Herangehensweisen, die dabei möglich sind.
2008 widmet sie sich beispielsweise - anlässlich einer Ausstellungseinladung auf das ehemalige Vereinsgelände der Naturfreunde Hannover - minutiös der Demontage eines Grillplatzes. Der überdimensionierte Gartengrill wird sorgfältig abgetragen, um ihn anschlie√üend in seine Einzelteile geordnet im zentralen Versammlungsraum des Vereinsheim auszubreiten. Die gewonnene Leerstelle im Freien wird kontrapunktisch als Outdoor-Galerie inszeniert mit potenziellem Raum für Kunst und dem aktuellen Betreiber - einem Kunstverein - zur zukünftigen Nutzung übergeben. Im Rahmen des Kunstprojektes MIND THE PARK macht An Seebach im Frühjahr 2009 zur Vorbereitung ihres künstlerischen Beitrages ein Praktikum im Fachbereich für Umwelt und Stadtgrün und entwickelt analog zu den Planungsstadien städtischer Grünflächen die mehrteilige Installation "O.T. (Hannover LS-Str. 17/T-L-Pl 2), 2009". Hier abgebildet: die Teile "Vorentwurfsbesprechung" - eine vom Amt benutzbare Besprechungsskulptur im Ausstellungsraum, und "Amtl. Drucksache" - die zweckentfremdete Anwendung amtlicher Stempel.

Quasi als Nebenprodukte und zur Ideenfindung für neue ortsanaloge Handlungen und Installation entstehen seit Anfang 2002 konzeptionelle Fotoarbeiten. Diese Schnappschüsse sind ursprünglich atmosphärische Beobachtungen von Alltagssituationen, die ich für meine installative Arbeit seit ca.1990 kontinuierlich festhalte, um mich gegebenenfalls in eigenen Arbeiten daran zu orientieren. Bei der Transformation zur eigenständigen Fotoarbeit wird die Bild-Information mit Hilfe eines Computerprogramms zur Texterkennung in Text-Information umgewandelt. Diese Buchstabenfolge - meist aus Sonderzeichen zusammengesetzt - wird dann ins Foto implantiert, als farblich abgestimmte Stickerei. Mir gefällt daran die spezielle Form der Analogie und Selbstreferenz und die Veredelung der Fotografie durch ihre partielle Zerstörung.

Kurz


www.an-seebach.de


geboren 1965, Studium an der Kunstakademie Münster, Meisterschülerin von Gunther Keusen, 1995-2005 Mitgliedschaft im Künstlerhaus Dortmund e.V. und verantwortlich für ein internationales Ausstellungs- programm mit Symposien, Festivals etc., Arbeit in Textilrestaurierungswerkstatt, Lehrtätigkeit (Installation, Intermedia Art) an Kunst- institutionen im In- und Ausland, Galerieleitung, lebt und arbeitet in Berlin

AUSSTELLUNGEN/PREISE:
1992/93 Stipenidum Künstlerdorf Schöppingen, 1994 Artist in Residence, Kloster Plasy/CZ, 1998 Stipendium Stiftung Binz 39, Scuol/CH 2011 Arbeits- stipendium Künstlerhaus Lukas, Land Mecklenburg-Vorpommern, Ahrenshoop; seit 1991 kontinuierliche Ausstellungs- tätigkeit im In- u. Ausland mit ortsanalogen Handlungen: ortsspezifischen Installationen, performative Interventionen im öffentlichen Raum, partizi- patorische Projekte, künstlerische Zusammenarbeit; Auswahl: 2010 Ohne Titel, Berlin, Eisenbahnstraße, 2010, orts- analoge Handlung für eine historische Markthalle, Berlin-Kreuzberg, 2009 Mind the Park - Stadtverwaltung, Grün- flächenplanung, Kunstvorfälle, Städt. Galerie u. Fachbereich Umwelt u. Stadtgrün, Hannover, 2008 white balance, coop: A.Grunemann kik, Kunst im Kontakt, Hannover, 2006 scorecologne | brückenmusik, Deutzer Brücke, Köln, 2005 nachbild coop:Chr.Stegat, Gustav-Eiffel-Oberschule, Berlin, 2005 helyspecifikus, Liget Gallery, Budapest/HU 2004 she_story_loop_the space is divided into six parts_5W1H, coop:Y.Toyoshima, Japanisches Kulturinstitut, Köln, 2003 she_story_loop_2”, coop:Y.Toyoshima, Goethe Institut, Kyoto/JAP; 1997 Mit der Bitte um Aushang an geeigneter Stelle, Museum am Ostwall, Dortmund; 1991 Die Werkräume eines Tuchmachers, Textilmuseum, Neumünster

FACHGEBIET:
ortsanaloge Handlungen, Stickerei auf Fotografie, künstlerische Zusammenarbeit, partizipatorische Projekte, Ausstellungsorganisation.

PROJEKTIDEE:
Naherholungsgebiete – Ruheorte mit spiritueller Dimension Picknickdecken

ZUORDNUNG:
Element Quadrat